In einer aktuellen Studie untersucht das KI-Unternehmen Anthropic, inwiefern Künstliche Intelligenz Arbeitsplätze vernichtet.[1] Hierzu betrachtet Anthropic, welche Berufe KI-gefährdet sein könnten, und gleicht dies mit tatsächlichen Nutzungsdaten ab.

Anthropic nutzt dafür die US-Berufsdatenbank O*NET, theoretische Expositionswerte aus einer früheren Studie sowie Nutzungsdaten aus dem hauseigenen Anthropic Economic Index, der auf realen Claude-Konversationen basiert. Hierbei wird die vollständige automatisierte Nutzung stärker gewichtet als Fälle, in denen Menschen KI lediglich als Hilfsmittel einsetzen. Ebenso zählen arbeitsbezogene Kontexte mehr als private. Die Daten basieren ausschließlich auf der Nutzung von Claude.

Künstliche Intelligenz wird aktuell von Unternehmen nur eingeschränkt genutzt

Die Sprachmodelle können laut Anthropic Report 94 Prozent beispielweise alle Aufgaben im Bereich Computer und Mathematik theoretisch ausführen. In der Praxis, gemessen an der Claude-Nutzung, werden laut Anthropic jedoch nur 33 Prozent dieser Aufgaben tatsächlich abgedeckt. Darüber hinaus können insbesondere Aufgaben in den Bereichen Management, Büroadministration, Business & Finanzen, Computer & Mathematik, Architektur & Ingenieurwesen, Lebens- und Sozialwissenschaften, Recht, Kunst und Medien durch KI ersetzt werden.

Deutlich geringer ist das Risiko hingegen für Arbeitnehmer im Bereich Transportation, Produktion, Handwerk, Bau Landwirtschaft, Pflege, Garten- und Grundstückspflege, Gastronomie, Sicherheitsdienst und Gesundheit, durch Künstliche Intelligenz ersetzt zu werden (siehe Grafik 1).

Betrachtet man einzelne Berufsgruppen sind insbesondere folgende Berufsgruppen von dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz betroffen: Programmierer, Mitarbeiter im Customer Service, Dateneingabe-Mitarbeiter, Fachkraft für Krankenakten sowie Marktforschung- und Marketingspezialisten (siehe Grafik 2).

Dass die tatsächliche Nutzung hinter dem theoretischen Möglichen zurückbleibt, hat laut den Autoren mehrere Gründe: Manche Aufgaben scheitern an den Grenzen aktueller Modelle, andere verbreiten sich langsam wegen rechtlicher Einschränkungen, spezifischer Softwareanforderungen oder notwendiger menschlicher Überprüfung.

Grafik 1: Theoretische Kapazität von KI und tatsächliche Nutzung nach Berufsgruppen

Grafik 1: Theoretische Kapazität von KI und tatsächliche Nutzung nach Berufsgruppen

Grafik 2: Berufe mit dem höchsten Risiko, durch KI ersetzt zu werden

Grafik 2: Berufe mit dem höchsten Risiko, durch KI ersetzt zu werden

Keine Zunahme der Arbeitslosigkeit aufgrund von Künstlicher Intelligenz

Arbeitnehmer in den am stärksten gefährdeten Berufen sind häufiger älter, weiblich, besser ausgebildet und besser bezahlt. In dem Anthropic Report konnte keine Zunahme der Arbeitslosigkeit aufgrund von Künstlicher Intelligenz festgestellt werden. Dennoch ist es schwieriger für akademische Berufseinsteiger geworden, einen Arbeitsplatz zu finden.

Grafik 3: Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt: ein neuer Messansatz und erste Erkenntnisse

                       Grafik 3: Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt: ein neuer Messansatz und erste Erkenntnisse

KI im Arbeitsmarkt: Potenziale und Grenzen

Der aktuelle Anthropic Report zeigt, dass Künstliche Intelligenz grundsätzlich das Potenzial besitzt, zahlreiche Tätigkeiten insbesondere in wissensbasierten Berufen zu automatisieren. Besonders betroffen sind Bereiche wie IT, Verwaltung, Finanzen, Marketing oder Customer Service.

Gleichzeitig verdeutlichen die Daten jedoch, dass zwischen den theoretischen Möglichkeiten von KI und der tatsächlichen Nutzung in Unternehmen weiterhin eine große Lücke besteht.

Viele Aufgaben könnten zwar bereits heute durch KI unterstützt oder teilweise ersetzt werden, in der Praxis verhindern jedoch technische Grenzen, regulatorische Anforderungen sowie die notwendige menschliche Kontrolle eine vollständige Automatisierung. Besonders Berufe mit hohem praktischem, sozialem oder handwerklichem Anteil gelten derzeit als deutlich weniger gefährdet.

Zudem liefert die Studie bislang keine Hinweise darauf, dass Künstliche Intelligenz bereits zu einer steigenden allgemeinen Arbeitslosigkeit führt. Allerdings verändern sich die Anforderungen am Arbeitsmarkt spürbar, insbesondere für akademische Berufseinsteiger.

Unternehmen und Arbeitnehmer stehen daher vor der Herausforderung, sich frühzeitig auf neue Kompetenzanforderungen und den zunehmenden Einsatz von KI-Technologien einzustellen.

Insgesamt zeigt der Report: Künstliche Intelligenz wird den Arbeitsmarkt kurzfristig eher verändern als vollständig zerstören. Entscheidend wird sein, wie Unternehmen KI künftig in ihre Prozesse integrieren und wie schnell Beschäftigte neue digitale Kompetenzen aufbauen können.

[1] https://www.anthropic.com/research/labor-market-impacts (10.06.2026)

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