Die aktuelle Umfrage „Jobcluster Recruiting Trends 2026“ liefert ein differenziertes Bild der gegenwärtigen Arbeitsmarktsituation und zeigt zugleich bislang ungenutzte Potenziale in der Digitalisierung sowie beim Einsatz Künstlicher Intelligenz in HR-Prozessen auf.
Der Bedarf an Fachkräften ist im Vergleich zum Vorjahr spürbar zurückgegangen: Während 2025 noch 91 % der befragten Unternehmen einen entsprechenden Bedarf angaben, liegt dieser aktuell bei 83 %. Konstant bleibt hingegen die Nachfrage nach Auszubildenden (27 %) sowie nach Führungskräften (22 %).
Parallel dazu beobachten die befragten HR-Verantwortlichen eine Entspannung zentraler Herausforderungen: Sowohl der wahrgenommene Fachkräftemangel als auch der Wettbewerb um Talente und die Fluktuation sind rückläufig. „Diese Entwicklung ist auf die aktuelle wirtschaftliche Lage zurückzuführen“, erklärt Alexander Baumann, Geschäftsführer von Jobcluster Deutschland. Unverändert anspruchsvoll bleibt jedoch die Erwartungshaltung der Bewerber, die aus Sicht der HR-Abteilungen weiterhin eine zentrale Herausforderung im Recruiting darstellt.
In der Personalgewinnung dominieren weiterhin Jobbörsen, Social Media und die eigene Karrierewebseite. „Die Karrierewebseite von Organisationen ist der Dreh- und Angelpunkt einer jeden Bewerberreise. Daher sollte diese möglichst auf dem aktuellen Stand der Zeit sein“, so Herr Baumann. Besonders Social Media gewinnt weiter an Relevanz, während der Einsatz von Personalvermittlern deutlich zurückgeht. Stattdessen etablieren sich Mitarbeiterempfehlungsprogramme zunehmend als effektiver Recruiting-Kanal.
Auffällig ist eine qualitative Verschiebung der Recruiting-Kanäle: Jobbörsen liefern zwar weiterhin die meisten Bewerbungen, jedoch mit sinkender Quantität und leicht rückläufiger Qualität. Demgegenüber gewinnen Social Media, Karrierewebseiten, Mitarbeiterempfehlungen und Active Sourcing deutlich an Bedeutung. Insbesondere Active Sourcing verzeichnet sowohl steigende Bewerberzahlen als auch eine verbesserte Qualität. Personaldienstleister verlieren hingegen sowohl quantitativ als auch qualitativ an Relevanz.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Investitionsplanungen wider. Im kommenden Jahr soll verstärkt in Social Media, Active Sourcing, Karrierewebseiten und Mitarbeiterempfehlungsprogramme investiert werden.
Im Bereich HR-Digitalisierung besteht nach wie vor erhebliches Potenzial. Zwar setzen inzwischen 59 % der Unternehmen Mitarbeiterempfehlungsprogramme ein (+16 % zum Vorjahr), jedoch arbeiten 48 % davon noch mit manuellen Lösungen (z. B. Excel). Nur 11 % nutzen digitale Systeme, trotz klarer Effizienz- und Professionalisierungsvorteile.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Bewerbermanagementsystemen (BMS). 82 % der Unternehmen nutzen ein BMS, während 18 % weiterhin auf manuelle Prozesse (z. B. Excel) setzen. „Besonders kritisch ist, dass 69 % der von uns befragten Unternehmen ohne BMS aktuell keine Einführung planen, trotz der nachweislichen Vorteile für Effizienz, Transparenz, Datenschutz und Candidate Experience“, so Alexander Baumann.
Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz zeigt sich unverändert eine deutliche Zurückhaltung in den HR-Abteilungen, obwohl das Thema branchenweit an Relevanz gewinnt. So geben 68 % der befragten Unternehmen an, aktuell keine KI-Lösungen im Recruiting einzusetzen (Vorjahr: 66 %). Der Anteil aktiver Nutzer ist sogar leicht rückläufig und liegt bei 31 %, gegenüber 34 % im Vorjahr und das trotz eines gestiegenen Anteils größerer Unternehmen in der Stichprobe.
Wird Künstliche Intelligenz eingesetzt, beschränkt sich ihr Einsatz überwiegend auf unterstützende Anwendungen, etwa bei der Texterstellung oder im Kampagnenmanagement für das Social-Media-Recruiting.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Recruiting weiterhin erhebliche Entwicklungspotenziale bestehen“, erklärt Alexander Baumann.
Darüber hinaus nimmt die Bedeutung von HR-Kennzahlen weiter zu. 86 % der Unternehmen erheben entsprechende Daten (+5 % zum Vorjahr). Allerdings erfolgt die Datenerfassung in der Hälfte der Fälle manuell, während nur 36 % auf automatisierte, digitale Lösungen zurückgreifen. Auch hier bleibt erhebliches Effizienzpotenzial ungenutzt.
Für Unternehmen ergibt sich auf der Grundlage der Jobcluster Recruiting Trends 2026 eine klare Aufgabe. Wer die vorhandenen Potenziale in Digitalisierung und KI konsequent nutzt, kann sich im Wettbewerb um Talente entscheidende Vorteile sichern.




