Beziehen Sie die Zielgruppe Eltern in Ihre Recruiting-Maßnahmen mit ein? Viele Personalabteilungen investieren in Social-Media-Kanäle wie TikTok und Snapchat oder Ausbildungsmessen, um eine junge Zielgruppe für Ihre Ausbildungsstellen zu erreichen. Dabei wird eine Zielgruppe jedoch häufig unterschätzt: die Eltern.

Obwohl Jugendliche ihre Berufswahl selbst treffen, suchen sich viele Orientierung bei ihrem sozialen Umfeld. Ganz wichtig sind dabei die Eltern, die Orientierung geben, Fragen beantworten und Unterstützung bei der Entscheidung ihrer Kinder bieten.

Da die Wahl des Ausbildungsbetriebs so wichtig ist, sollten Sie als Unternehmen sowohl den Jugendlichen als auch den Eltern Sicherheit geben. Wie Sie Eltern im Azubi-Recruiting berücksichtigen und damit Ihr Ausbildungsmarketing verbessern, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Warum Eltern bei der Berufswahl eine wichtige Rolle spielen

Bei der Berufswahl verlassen sich Jugendliche oft auf Google, Social Media und Berufsberatungen. Dass aber auch Eltern einen erheblichen Einfluss auf die Berufsorientierung haben, belegen mehrere aktuelle Studien. Der azubi.report 2025/26 von Ausbildung.de zeigt, dass 40 % der Auszubildenden durch Familie, Freunde oder Bekannte erstmals auf ihren Ausbildungsberuf aufmerksam geworden sind. Diesen Kanal gaben Azubis häufiger an, als Internetrecherche (21 %) oder einem Praktikum (12 %). Im Vergleich zum Vorjahr (22 %) hat sich dieser Wert nahezu verdoppelt. Damit ist das persönliche Umfeld der wichtigste Impulsgeber für die Berufsorientierung.

Vergleich 2024 und 2025/26: 40 % der Auszubildenden wurden durch Familie, Freunde oder Bekannte erstmals auf ihren Beruf aufmerksam, 21 % durch Internetrecherche und 12 % durch ein Praktikum.

Wie Auszubildende erstmals auf ihren Beruf aufmerksam wurden. Quelle: Ausbildung.de, azubi.report 2025/26.

Auch bei der konkreten Ausbildungssuche spielen Eltern eine zentrale Rolle. Laut dem azubi.report 2025/26 haben sich 58 % der Jugendlichen Unterstützung bei ihren Eltern oder ihrer Familie geholt. Freunde (35 %), die Berufsberatung (29 %) oder Lehrkräfte (19 %) folgen mit deutlichem Abstand. Darüber hinaus geben 41 % der Befragten an, dass Erzählungen von Familie oder Freunden neben Praktika und Probetagen besonders dazu beigetragen haben, ihren Wunschberuf kennenzulernen.

Auszubildende erhalten bei der Ausbildungssuche am häufigsten Unterstützung von Eltern und Familie (58 Prozent).

Unterstützung bei der Ausbildungssuche. Quelle: Ausbildung.de, azubi.report 2025/26.

Die u-form-Studie „Azubi-Recruiting Trends 2025“ bestätigt diesen Einfluss und zeigt zusätzlich, wie Eltern die Berufswahl prägen. Viele Jugendliche treffen ihre Entscheidung zwar eigenständig, orientieren sich dabei aber an den Erfahrungen ihrer Eltern. Diese dienen häufig als berufliche Vorbilder, vermitteln realistische Einblicke in den Arbeitsalltag oder geben praktische Unterstützung und Ratschläge.

Für Ausbildungsbetriebe ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Auch wenn Jugendliche am Ende selbst über ihre berufliche Zukunft entscheiden, findet diese Entscheidung nicht isoliert statt. Wer Eltern mit relevanten Informationen versorgt und ihnen ein positives, glaubwürdiges Bild vom Ausbildungsbetrieb vermittelt, erreicht damit indirekt auch die potenziellen Azubis.

Wo erreicht Ihr Unternehmen Eltern?

Viele Unternehmen konzentrieren sich ausschließlich auf Social Media, um Jugendliche zu erreichen. Um auch Eltern anzusprechen, lohnt es sich jedoch, weitere Kontaktpunkte in den Blick zu nehmen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Stellenanzeige sowie die Unternehmens- und Karriereseite. Hier können sich Eltern in Ruhe über das Unternehmen, Ausbildungsinhalte, Vergütung, Betreuung, Übernahmechancen und Entwicklungsmöglichkeiten informieren. Auch Google ist ein wichtiger Einstiegspunkt, wenn Eltern gemeinsam mit ihren Kindern nach Ausbildungsbetrieben, Berufen oder regionalen Angeboten suchen.

Daneben können Facebook und regionale Medien sinnvoll sein, um Eltern in ihrem digitalen und lokalen Umfeld zu erreichen. Gerade bei regional verwurzelten Ausbildungsbetrieben bieten sich lokale Nachrichtenportale oder Online-Gruppen an.

Besonders wertvoll bleibt aber der persönliche Kontakt. Ausbildungsmessen oder Tage der offenen Tür für Betriebsbesichtigungen ermöglichen es Eltern, das Unternehmen, die Ausbilder und teilweise auch Azubis aus dem Unternehmen direkt kennenzulernen. Das schafft Nähe und kann Unsicherheiten abbauen.

Auch das Umfeld der Jugendlichen sollte nicht unterschätzt werden. Lehrkräfte, Schulen sowie persönliche Empfehlungen von Familie, Freunden oder Bekannten können die Wahrnehmung eines Ausbildungsbetriebs maßgeblich mitprägen. Für Unternehmen bedeutet das: Eltern sollten nicht über einen einzelnen Kanal angesprochen werden. Erfolgreicher ist ein Zusammenspiel aus digitaler Sichtbarkeit, transparenten Informationen und persönlichen Begegnungen.

Infografik mit zehn Touchpoints für die Elternansprache im Azubi-Recruiting, darunter Stellenanzeigen, Karriereseite, Google, Social Media, Ausbildungsmessen, Schulen und persönliche Empfehlungen.

Touchpoints für die Elternansprache im Azubi-Recruiting. Quelle: Jobcluster.

Was Eltern interessiert und wie Sie sie überzeugen

Jugendliche und ihre Eltern betrachten die Ausbildungsplatzsuche häufig aus unterschiedlichen Perspektiven. Während sich Jugendliche vor allem für den Arbeitsalltag, das Team oder die Unternehmenskultur interessieren, legen Eltern häufig den Fokus auf Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten und die Qualität der Ausbildung. Sie möchten wissen, ob ihr Kind gut begleitet wird, welche Zukunftsperspektiven der Ausbildungsbetrieb bietet und ob die Ausbildung langfristige Chancen eröffnet. Unternehmen, die ihre Kommunikation sowohl auf die Erwartungen der Jugendlichen als auch auf die Informationsbedürfnisse der Eltern ausrichten, sind am besten aufgestellt.

Für Ausbildungsbetriebe bedeutet das: Diese Informationen sollten nicht erst auf Nachfrage verfügbar sein. Stellenanzeige, Karrierebereich und weitere Kontaktpunkte (z. B. Social-Media-Seiten) sollten die wichtigsten Fragen von Eltern und Jugendlichen transparent beantworten.

Was Eltern interessiert So können Unternehmen überzeugen
Ist die Ausbildung qualitativ hochwertig? Ausbildungsablauf, Inhalte, Berufsschule und Prüfungsvorbereitung transparent auf der Karriereseite und in der Stellenanzeige erklären.
Ist mein Kind während der Ausbildung gut betreut? Ausbilder, Mentoren und Ansprechpartner vorstellen und zeigen, wie die persönliche Begleitung während der Ausbildung aussieht.
Welche Zukunftsperspektiven gibt es? Übernahmechancen sowie Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten konkret darstellen. Auch ehemalige Azubis und ihre Karrierewege können Orientierung geben.
Was verdient mein Kind während der Ausbildung? Ausbildungsvergütung und relevante Zusatzleistungen transparent in der Stellenanzeige kommunizieren.
Wie sieht die Ausbildung in der Praxis aus? Echte Azubis zu Wort kommen lassen und mit Fotos, Videos, Testimonials oder Erfahrungsberichten authentische Einblicke in den Ausbildungsalltag geben.
An wen können wir uns bei Fragen wenden? Einen persönlichen Ansprechpartner mit Name, Foto, Telefonnummer und E-Mail-Adresse gut sichtbar nennen.
Ist das Unternehmen ein verlässlicher Ausbildungsbetrieb? Ausbilder und aktuelle Azubis zeigen, Erfahrungen ehemaliger Azubis teilen und beispielsweise Prüfungserfolge oder langjährige Ausbildungserfahrung sichtbar machen.
Kann ich mir selbst ein Bild vom Unternehmen machen? Persönliche Begegnungen ermöglichen, etwa bei Elternabenden, Tagen der offenen Tür oder Betriebsbesichtigungen.
Wo finde ich Antworten auf meine konkreten Fragen? Einen übersichtlichen FAQ-Bereich einrichten, der Fragen zu Betreuung, Berufsschule, Ausbildungsablauf, Prüfungsvorbereitung, Vergütung und Entwicklungsmöglichkeiten beantwortet.
Wie läuft die Bewerbung ab? Bewerbungsprozess, benötigte Unterlagen, Ansprechpartner und nächsten Schritte transparent erklären und die Bewerbung möglichst einfach gestalten.

Fazit: Jugendliche ansprechen, Eltern mitdenken

Erfolgreiches Azubi-Recruiting richtet sich in erster Linie an die zukünftigen Azubis, sollte aber die Menschen nicht vergessen, die sie bei ihrer Berufswahl begleiten. Studien zeigen, dass insbesondere Eltern wichtige Vertrauenspersonen und Ratgeber bei der Ausbildungssuche sind.

Für Unternehmen bedeutet das nicht, eine komplett separate Recruiting-Strategie für Eltern aufzubauen. Vielmehr sollten bestehende Touchpoints wie Stellenanzeigen, Karrierebereich, Social-Media-Kanäle, Ausbildungsmessen oder Tage der offenen Tür auch die Informationsbedürfnisse der Eltern berücksichtigen. Transparente Angaben zur Ausbildung, persönliche Ansprechpartner, authentische Einblicke sowie Informationen zu Betreuung und Zukunftsperspektiven schaffen dabei Vertrauen.

Wer Jugendliche begeistert und gleichzeitig Eltern Sicherheit gibt, schafft gute Voraussetzungen, um als Ausbildungsbetrieb zu überzeugen.

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